Als globaler Leiter Ideenmanagement bei der Brose Gruppe habe ich das Vorschlagswesen über 23 Länder, 57 Standorte und rund 26.000 Mitarbeitende verantwortet. Das Ergebnis: über 13.000 Ideen pro Jahr, ein Erstjahresnettonutzen von 25,9 Mio. EUR und Beteiligungsquoten deutlich über dem Branchenschnitt.
Diese 15 Fragen höre ich am häufigsten – von Geschäftsführern, die ein System einführen wollen, von Ideenmanagern, die ihres verbessern wollen, und von Führungskräften, die verstehen wollen, warum Ideen ihrer Mitarbeitenden nicht fließen. Die Antworten stammen nicht aus Lehrbüchern, sondern aus dem operativen Alltag.
23
Länder
57
Standorte
13.000+
Ideen / Jahr
25,9 Mio.
EUR Erstjahresnettonutzen
Ausgezeichnet
Deutscher Ideenmanagement-Preis
Das Zentrum Ideenmanagement ist der Branchenverband für Ideenmanagement, KVP und betriebliches Vorschlagswesen in Deutschland. Es vergibt jährlich den Deutschen Ideenmanagement-Preis – die wichtigste Auszeichnung der Branche.
Platz 1 – Bestes Ideenmanagement 2024
Brose Gruppe · Verliehen vom Zentrum Ideenmanagement
3× Gold (2022–2024)
Drei Jahre in Folge mit Gold-Bewertung beim Deutschen Ideenmanagement-Preis
Weitere Einzelplatzierungen
2021 – 1. Platz „Arbeitsschutz“
2022 – 2. Platz „Auszubildenden-Idee“ und „Verwaltung/Dienstleistungen“
2023 – 3. Platz „Sicheres und gesundes Arbeitsumfeld“
Erste Auszeichnungen für Brose nach über 10 Jahren. Bernd M. Schell war zudem gewähltes Vorstandsmitglied des Zentrums Ideenmanagement.
15 Fragen & Antworten
Häufig gestellte Fragen zum Ideenmanagement
Was ist Ideenmanagement – und warum reicht ein Briefkasten nicht?
Ideenmanagement ist das systematische Erfassen, Bewerten und Umsetzen von Verbesserungsvorschlägen der Mitarbeitenden. Es verbindet das klassische Betriebliche Vorschlagswesen (BVW) mit kontinuierlichen Verbesserungsprozessen (KVP). Ein Briefkasten sammelt Ideen – ein Ideenmanagement sorgt dafür, dass sie auch umgesetzt werden.
Was ist der Unterschied zwischen BVW, KVP und Ideenmanagement?
Das Betriebliche Vorschlagswesen (BVW) fokussiert auf einzelne, schriftlich eingereichte Verbesserungsvorschläge mit Prämiensystem. KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess) setzt auf team- und prozessgetriebene Optimierung im Arbeitsalltag. Modernes Ideenmanagement vereint beide Ansätze: Es nutzt strukturierte Einreichung und systematische Bewertung, integriert aber auch schnelle, teambasierte Verbesserungen direkt am Arbeitsplatz.
Wie führt man Ideenmanagement im Unternehmen erfolgreich ein?
Drei Faktoren entscheiden: Erstens, echtes Commitment der Geschäftsführung – nicht als Lippenbekenntnis, sondern mit Budget, Personal und regelmäßiger Aufmerksamkeit. Zweitens, ein transparenter Prozess, der Einreichern innerhalb definierter Fristen Rückmeldung gibt. Drittens, kulturelle Verankerung – wer Ideen einreicht, muss spüren, dass es erwünscht ist. Bei Brose haben wir mit Pilotstandorten begonnen und das System schrittweise auf 57 Standorte weltweit ausgerollt.
Welche Kennzahlen sind im Ideenmanagement wichtig?
Die drei zentralen KPIs: Beteiligungsquote (wie viele Mitarbeitende reichen Ideen ein), Umsetzungsquote (wie viele Ideen werden realisiert) und Erstjahresnettonutzen (der rechnerische wirtschaftliche Nutzen im ersten Jahr nach Umsetzung). Hinzu kommen Durchlaufzeit, Ideenrate pro 100 Mitarbeitende und Rückmeldefrist. Die Kombination dieser Kennzahlen zeigt, ob das System lebt oder nur existiert.
Was ist der Erstjahresnettonutzen – und wie berechnet man ihn?
Der Erstjahresnettonutzen ist der rechnerische wirtschaftliche Nutzen einer umgesetzten Idee im ersten Jahr nach Umsetzung, abzüglich der Umsetzungskosten und der Prämie. Er wird von Gutachtern (meist Fachabteilungen) bewertet und ist die zentrale Messgröße für den wirtschaftlichen Beitrag des Ideenmanagements. Bei Brose lag dieser Wert bei 25,9 Mio. EUR – validiert nach den Standards des Zentrums Ideenmanagement.
Wie motiviert man Mitarbeitende, Ideen einzureichen?
Prämien sind ein Baustein, aber nicht der wichtigste. Die stärksten Hebel: schnelle, transparente Rückmeldung („Deine Idee wurde geprüft und wird umgesetzt“), sichtbare Wertschätzung durch Führungskräfte und erlebbare Veränderung am Arbeitsplatz. Bei Brose haben wir mit standortspezifischen Kampagnen, Anerkennungsformaten und konsequentem Feedback Beteiligungsquoten erreicht, die deutlich über dem Branchenschnitt lagen.
Wie funktioniert Ideenmanagement in einem internationalen Unternehmen?
Der Rahmen muss global gelten, die Umsetzung lokal passen. Bei Brose haben wir einen einheitlichen Prozess über 23 Länder etabliert, aber kulturelle Freiräume gelassen – in China funktionieren andere Anreize als in Brasilien oder Deutschland. Entscheidend: lokale Ideenmanager, die das System vor Ort leben, kombiniert mit globalem Reporting und einheitlichen Kennzahlen.
Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur im Ideenmanagement?
Die entscheidende. Kein Prozess und keine Software kann eine Kultur ersetzen, in der Verbesserungsvorschläge erwünscht sind. Es beginnt mit Führungskräften, die Ideen ihrer Mitarbeitenden ernst nehmen und nicht als Kritik verstehen. Kulturarbeit heißt im Ideenmanagement: Freiräume schaffen, Fehler als Lernchance sehen und Umsetzungserfolge sichtbar feiern.
Braucht man eine Ideenmanagement-Software?
Ab einer gewissen Unternehmensgröße ja – spätestens bei mehreren Standorten. Die Software steuert den Workflow (Einreichung, Bewertung, Genehmigung, Umsetzung), dokumentiert Prämien und liefert belastbare Kennzahlen. Wichtiger als das Tool ist aber der Prozess dahinter. Die beste Software nützt nichts, wenn Gutachter nicht bewerten, Führungskräfte nicht freigeben oder Rückmeldungen ausbleiben.
Wie misst man den ROI von Ideenmanagement?
Der ROI ergibt sich aus dem Verhältnis von Erstjahresnettonutzen zu den Gesamtkosten des Systems (Personal, Software, Prämien, Overhead). Bei einem gut funktionierenden Ideenmanagement liegt der Faktor typischerweise zwischen 3:1 und 10:1. Bei Brose lag der Erstjahresnettonutzen bei 25,9 Mio. EUR – die Systemkosten waren ein Bruchteil davon.
Welche häufigen Fehler sollte man bei der Einführung vermeiden?
Die fünf typischsten: 1) Kein echtes Management-Commitment („Machen Sie mal“). 2) Zu lange Durchlaufzeiten – wer Monate auf Rückmeldung wartet, reicht nie wieder ein. 3) Prämienfokus statt Umsetzungsfokus. 4) Keine klaren Verantwortlichkeiten bei der Gutachterrolle. 5) Zu komplexe Einreichformulare, die Mitarbeitende abschrecken.
Wie gewinnt man die Geschäftsführung für Ideenmanagement?
Mit Zahlen und einem Piloten. Zeigen Sie den rechnerischen Nutzen vergleichbarer Unternehmen, starten Sie mit einem begrenzten Pilotbereich und liefern Sie nach sechs Monaten belastbare Ergebnisse. Geschäftsführer interessiert nicht der Prozess, sondern der wirtschaftliche Beitrag und die Auswirkung auf Mitarbeiterbindung und Unternehmenskultur.
Was macht ein Ideenmanager – und welche Kompetenzen braucht er?
Ein Ideenmanager steuert den Gesamtprozess: Kampagnen initiieren, Gutachter koordinieren, Kennzahlen reporten, Führungskräfte coachen. Die wichtigsten Kompetenzen sind Kommunikationsfähigkeit, Prozessverständnis, Hartnäckigkeit und ein gutes Gespür für Organisationsdynamik. Es ist eine Schnittstellenrolle zwischen Mitarbeitenden, Führungskräften und Unternehmensleitung.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat?
In Deutschland ist der Betriebsrat beim Ideenmanagement mitzubestimmen – insbesondere bei Prämienregelungen und Betriebsvereinbarungen. Mein Ansatz: den Betriebsrat frühzeitig einbinden, als Partner und nicht als Genehmigungsinstanz. Wenn der Betriebsrat das System mitträgt, steigt die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden deutlich.
Was unterscheidet gutes von schlechtem Ideenmanagement?
Gutes Ideenmanagement erkennt man an drei Dingen: hohe Umsetzungsquote (nicht nur sammeln, sondern umsetzen), kurze Durchlaufzeiten (Wochen, nicht Monate) und spürbare Wertschätzung (jeder Einreicher bekommt Rückmeldung). Schlechtes Ideenmanagement erkennt man daran, dass Ideen im System verschwinden, Gutachter nicht bewerten und Mitarbeitende irgendwann aufhören einzureichen.
Ideenmanagement einführen oder verbessern?
7 Jahre globale Erfahrung, 23 Länder, 57 Standorte – die Praxis spricht für sich.